Schon die ganz Kleinen lieben Schokolade, Eis und Naschereien. Doch ein Verbot ist für Eltern schwierig umzusetzen, sobald sie die Leckereien bei anderen Kindern, älteren Geschwistern sehen oder man selbst gerne nascht. Wie gelingt der richtige Umgang, wenn Babys und kleine Kinder auch Süßes verlangen?

Vor einiger Zeit war ich auf dem 1. Geburtstag des Sohnes meiner Freundin eingeladen. Zum Kaffee gab es eine köstliche Torte. Einige Mamas gaben ihren Babys kleine Stückchen davon zu essen, andere packten Reiswaffeln und Bananen-Haferstangen aus. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Diskussionen unter meinen Freundinnen anfingen: “Dein Kind darf schon sowas süßes essen? Das ist doch viel zu früh!”
Ich finde, dass man es den Eltern selbst überlassen muss, ab wann sie ihre Kindern Süßigkeiten geben – trotzdem hat es mich interessiert, was Experten empfehlen und was hinter unserer Lust auf Süßes steckt und hab mich für euch belesen und dir das wichtigste zusammengefasst.



1. Warum mögen wir überhaupt von Klein an Süßes?



Eine Theorie besagt, dass Babys durch das süße Fruchtwasser im Mutterleib bereits während der Schwangerschaft an die Geschmacksvorliebe Süß gewöhnt werden. Auch Muttermilch schmeckt leicht süßlich. Eine weitere These ist, dass unser Geschmack noch auf die Steinzeit vorprogrammiert ist: Unsere Vorfahren wussten, dass alle süßen Pflanzen, wie Beeren oder Honig, essbar waren. Viele bittere Pflanzen dagegen sind giftig und stellen somit eine Gefahr dar.



2. Ab wann sollte man einem Baby Süßes geben?

Für das erste Lebensjahr besteht die allgemeine Empfehlung, einem Baby keine Süßigkeiten zu geben. Für das Baby ist die keine Entbehrung – was es nicht kennt, vermisst es auch nicht.

Es gibt außerdem eine große Auswahl ein Lebensmitteln ohne Zucker, die deinem Kind bestimmt gut schmecken.

Tipp: Ich habe öfter zuckerfreie Waffeln selbst gemacht oder Babykekse mit Banane, Haferflocken und Dinkelmehl.

Im Internet gibt es viele tolle und einfache Rezepte aus der BLW (Baby Led-weaning) Sparte.


Achtung: In einigen Babygläschen und Fertigbreien steckt viel versteckter Zucker wie Glucose, Fructose, Saccharose oder Süßmolkenpulver. Am besten liest Du Dir die Inhaltsstoffe durch, bevor Du Dich für ein Produkt entscheidest.

Gibt es noch ältere Geschwisterkinder, ist der komplette Verzicht auf Süßes schwierig im Alltag umsetzbar. Ich spreche da aus eigener Erfahrung, oder besser gesagt aus eigener Beobachtung anderer Eltern. Wichtig ist in diesem Fall, dass Du auf eine geringe Menge achtest, und Dein Baby insgesamt ausgewogen ernährst. Und vor allem – Zähnchen putzen nicht vergessen!


3. Kleinen Kindern Süßigkeiten geben – wie viel ist in Ordnung?


Wenn Dein Kind den ersten Geburtstag gefeiert hat, darf der Zuckerkonsum etwas ansteigen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Kindern weniger als 10% ihrer täglichen Energiezufuhr durch Zucker abzudecken. Besser wäre laut WHO eine Energiemenge von unter fünf Prozent. Im Alltag ist es gar nicht einfach, 5-10% genau einzuschätzen. Daher hat der Berufsverbands für Kinder- und Jugendärzte eine einfachere Empfehlung: Mehr als 25 Gramm Zucker pro Tag sollten es für Kinder nicht sein. Das sind knapp sechs kleine Teelöffel Zucker. Das entspricht einem kleinen Stück Kuchen (natürlich nicht gleich eine Buttercremetorte) oder ein Schälchen mit Pudding. Auf jeden Fall solltest Du im Hinterkopf behalten, dass Zucker nicht nur in Süßigkeiten steckt, sondern auch in vielen Fruchtjoghurts, insbesondere Lebensmittel, die speziell für Kinder beworben werden wie Snacks und sogar Wurst.



4. Was zu viel Zucker bei einem Kleinkind bewirkt

kleinkind süßigkeiten


Essen Kinder Süßigkeiten schon im frühen Alter in großen Mengen, schadet das nicht nur möglicherweise ihren Zähnen oder lässt sie übergewichtig werden. Bei industriellem Zucker gewöhnt sich der Körper daran und verlangt immer und immer mehr danach. Zucker kann wie eine Art Droge wirken und abhängig machen! Große Mengen schränken die Beweglichkeit und Konzentrationsfähigkeit eines Kindes ein – und das wird spätestens in der Schule zum Problem.

Der ständige Zuckerkonsum kann Kinder aufputschen, macht sie rastlos, überdreht, aggressiv und stört ihre natürliche Konzentrationsfähigkeit und Ausgeglichenheit. 


5. Sollte man Kleinkindern Süßigkeiten komplett verbieten?

Ich persönlich halte von Verboten nicht viel. Denn alles, was nicht erlaubt ist, wird erst recht interessant. Spätestens im Kindergarten lernt Dein Kind dann auch Süßigkeiten kennen. Wenn Du auf das richtige Maß achtest, spielen Schokolade und Co. keine große Rolle, sondern sind eine kleine Leckerei im Alltag.

Ein spannendes Vorbild für einen alltagstauglichen Süßigkeitenkonsum ist Frankreich. Jedes Kind kennt dort den Nachmittagssnack “Le goûter”. Man trinkt einen Saft, Milch oder Kakao und verzehrt Kekse, Kuchen oder Schokocroissant. Das geschieht in der Regel zwischen 16-16:30 Uhr, wenn die Kinder von der Schule zurückkommen. Die Kinder wissen genau, dass es nur einmal am Tag Süßigkeiten in einer definierten Menge gibt. Daher freuen sie sich darauf und fragen nicht ständig, ob sie Süßigkeiten bekommen. So erzieht man Kinder in einer verantwortungsvollen Weise, dass Süßigkeiten in Ordnung sind, aber nur in einem gesunden Maße.

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